Die Historie

Schmucke Uniformierung und Bewaffnung

Als dann mit den Erfolgen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, die zur Reichsgründung geführt hatten, sich überall in Deutschland alles Militärische einer weit verbreiteten Hochschätzung erfreute und nachdem 1874 in Niederwangen ein Veteranenverein gegründet worden war, entstand hier nicht von ungefähr der Wunsch, daß die Schützen bei der Fronleichnamsprozession auch in einheitlicher, repräsentativer, militärischer Uniformierung und eigener Bewaffnung auftreten sollten.
Dies umso mehr, als sich die zuletzt bei der Stadtgemeinde Wangen hierfür entlehnten Gewehre als alt und untauglich erwiesen hatten.

Etwas mehr als 20 Männer, alle Mitglieder des Veteranenvereins, fanden sich dazu bereit. Im Jahr 1880 veranstaltete man eine Haussammlung, die einen Erlös von immerhin 811 Mark und 60 Pfennigen erbrachte.

Im Frühjahr und Sommer desselben Jahres konnten damit Anschaffungen für Bewaffnung und Uniformierung von 24 Männern im Wert von 828 Mark und 80 Pfennigen gemacht werden, darunter zwei Offiziere und ein Tambour. Während des Jahres wurde die gesamte Ausstattung in einer Kammer des Rathauses verwahrt und nur zur Fronleichnamsprozession an die Teilnehmer ausgegeben. In der neuen und prächtigen Bewaffnung und Uniform dürfte die Bürgerwache' erstmals anläßlich des Fronleichnamsfestes 1881 paradiert haben.

Allerdings riefen diese Aktivitäten umgehend die vorgesetzten Behörden auf den Plan, denn die Bildung bewaffneter und uniformierter Wehren bedurfte nach den Vorschriften des einschlägigen Gesetzes aus dem Jahr 1853 der Genehmigung durch die Kreisregierung in Ulm.

Nachdem jedoch der Gerneinderat in einer ausführlichen Stellungnahme den genaueren Sachverhalt geschildert hatte, teilte die Kreisregierung mit, daß die so beschriebene Einrichtung in Niederwangen nicht genehmigungspflichtig sei, da die Merkmale eines organisierten bewaffneten Corps fehlten (keine geschlossene Vereinigung, keine Statuten, keine Einrichtung bleibender Chargen), sondern es sich nur darum handle, daß eine Anzahl von beliebigen Mitgliedern des Veteranenvereins in militärischer Kleidung und Waffen, welche auf dem Rathaus beeitgestellt und daselbst bis zum Gebrauchsfalle verwahrt werden, alljährlich die Fronleichnamsprozession begleiten.

Es solle dafür jedoch nicht der Begriff Bürgerwache' oder Bürgergarde' verwendet werden. Eine einheitliche und konsequente Bezeichnung der Einrichtung ist seitdem lange Zeit ein Problem geblieben.

So ist wechselweise von 'Schützengesellschaft', 'Militär', 'Bürgermilitär', B ürgerwache' oder Bürgergarde' die Rede. Klarheit hat hier letzten Endes erst die 1988 unter dem Namen Bürgerwehr' erfolgte Eintragung ins Vereinsregister gebracht. Auch weiterhin beschaffte die Gemeinde alljährlich 30 Pfund Böllerpulver.

Die Schützen erhielten nun 1 Mark Entschädigung aus der Gemeindekasse. Eine vollständige Namensliste der Mitwirkenden des 'Bürgermilitär Verein' Niederwangen ist leider erst mit der Beschriftung der ältesten Fotoaufnahme aus dem Jahr 1914 überliefert.

Auf dieser Aufnahme präsentieren sich die Aktiven vermutlich in der Uniform des Jahres 1880 und mit den im Jahr 1908 neu beschafften Waffen. Letztere mußten 1915 kriegsbeängt abgeliefert werden. Als erster Hauptmann dürfte in den 1880er Jahren der damalige Vorstand des Veteranenvereins, Anton Meier aus Böhen, fungiert haben. Seit 1900 amtierte Gebhard Maurus aus Obermooweiler über 50 Jahre lang als Hauptmann der Bürgergarde.

Abgesehen von den Unterbrechungen während der beiden Weltkriege gehört die -bewaffnete und uniformierte Bürgerwehr' seitdem zum ebenso beliebten und geschätzten, wie ungebrochenen Niederwangener Lokalbrauchtum.