Die Historie
Organisation der Bürgerwehr

Bei dem am 25. September unternommenen dritten Anlauf war der Widerstand schließlich gebrochen. Die Wehrpflichtigen wählten den Bauern Xaver Schneider aus Nieratz zum Hauptmann und den Bauern Josef Kathan aus Lachen zum Leutnant der Bürgerwehr.

Dagegen erfolgten keine Einwendungen. Wenige Tage später wurden zwei Feldwebel und vier Zugführer bestellt. Diese sollten gemeinsam mit Hauptmann und Leutnant das Exerzieren mit der Mannschaft übernehmen. Auch wurde ein Verwaltungsrat für die Bürgerwehr eingesetzt.

Die Gemeinderäte Deiring und Riedesser erhielten den Auftrag, in der Schweiz 44 Musketen zu beschaffen, die zum Preis von 277 Gulden und 10 Kreuzen aus der Gemeindekasse bezahlt wurden.

Dienstvergehen
Damit war nun endlich den gesetzlichen Vorschriften Genüge getan; von Bürgerwehrbegeisterung konnte in Niederwangen aber nach wie vor keine Rede sein. Daran änderte auch der Umstand nichts, daß Anfang Oktober umfangreiche, insgesamt 12 Paragraphen umfassende Vorschriften über Dienstvergehen bei der Bürgerwehr und deren Bestrafung erlassen wurden.

Danach machte sich unter anderem der Verletzung der Dienstpflicht schuldig: "wer den Dienst verweigert ... wer Vorschriften und Befehle einfach nicht befolgt oder nicht genau ausführt ... wer seine Vorgesetzten oder Kameraden beschimpft, bedroht, verspottet, beleidigt ... wer seinen Posten ohne Erlaubnis verläßt ... wer eigenmächtig ausrückt ... wer unerlaubten oder unvorsichtigen Gebrauch seiner Waffe macht wer ohne Erlaubnis Alarm schlägt ... wer die ihm anvertrauten Ausrüstungsstücke beschädigt... wer im Dienst betrunken oder feig ist ... wer zu den angeordneten Übungen ohne genügende Entschuldigung zu spät oder gar nicht erscheint ...".

Verstöße gegen diese Vorschriften sollten mit Geld-, im Wiederholungsfalle sogar mit Gefängnisstrafen geahndet werden. Befürworter und Gegner standen sich nach wie vor ablehnend gegenüber. Kaum bestellt, entzogen sich die Offiziere unter Vorlage oberamtsärztlich bescheinigter Zeugnisse oder anderer mehr oder weniger triftiger Gründe ihrem Dienst.

Auch Befehlshaber Hauptmann Xaver Schneider trat nach wenigen Tagen von seinem Amt zurück. Zum neuen Hauptmann wurde am 2 1. Oktober 1848 Alois Feßler aus Niederwangen gewählt.

Johann Jocharn von Berg suchte um seine Entlassung aus dem Offiziersdienst nach, weil sich in der Gemeinde gar kein Gehorsam und gar keine Ordnung zeigen wolle. Jene, die den Gesetzen Folge leisteten, mußten sich nach wie vor als Schmarotzer und Wohltuer beschimpfen lassen. Wer sich zum Offiziersdienst bereit fand, sah sich also immer noch Anfeindungen aus den Reihen der Bürgerwehrgegner konfrontiert.