Die Historie

Exerzieren und Waffenverteilung

Schließlich fand am 17. November 1848 unter Befehl von Hauptmann Feßler und Anleitung von Landjäger Ludwig Kibler zum ersten - und vermutlich einzigen - Mal ein gemeinsames Exerzieren der gesamten Bürgerwehr statt. Belege für weitere Waffenübungen der Niederwangener Bürgerwehr liegen nicht vor.

Im Sommer 1849 wurden die Musketen unter Eigentumsvorbehalt der Gemeinde an die Bürgerwehrmänner verteilt. Als im Dezember 1849 der Gemeinderat gegenüber der Amtsversammlung die seitherigen Auslagen für die Bürgerwehr offenlegte, beschränkten sich diese auf die Beschaffung der 44 Muskelen und Knallfeuer sowie knapp 3 Gulden für die Exerzierübungen durch Landjäger Kibler.

Zahlreiche Waffenübungen konnten im Verlaufe des Jahres 1849 also nicht gerade stattgefunden haben. Eine Uniformierung der Wehrmänner war noch

Aufschiebung der Bürgerwehr
Gleichzeitig beantragte der Gemeinderat aber, die Bildung der Bürgerwehr möglichst lange aufschieben zu dürfen, wie es §3 des revidierten Bürgerwehrgesetzes vom 3. Oktober 1849 vorsah, wenn für eine Gemeinde die Aufbringung der Bürgerwehrkosten als besonders drückend eingeschätzt wurden.
Über die geschilderten ersten Anfänge gelangte die Organisation der Niederwangener Bürgerwehr also in den Jahren 1848/49 nicht hinaus. Und Ende 1849 hatten sich die politischen Verhältnisse bereits so weit verändert, daß der Bürgerwehrenthusiasmus auch bei den ursprünglichen Anhängern abgeklungen war.

Mit dem Scheitern und Ende der Revolution Ende des Jahres 1849 hatte die Demokratie- und Revolutionsbewegung ihr offenkundiges Ende gefunden. Die im März 1849 von der Nationalversammlung verabschiedete Reichsverfassung war zwar in Württemberg, nicht jedoch in allen deutschen Bundesstaaten angenommen worden. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. hatte seine Wahl zum deutschen Kaiser abgelehnt.

Daraufhin war die Nationalversammlung zerfallen und zunächst als Rumpfparlament nach Stuttgart verlegt worden, wo sie jedoch im Juni von württembergischen Regierungstruppen gesprengt worden war. Die in Baden ausbrechende Revolution war durch Einsatz preußischer Truppen im Juli und August niedergeschlagen worden.

In Württemberg war es dagegen weitgehend ruhig geblieben. Im Ziellkonflikt zwischen dem Auftrag zum Schutz der Verfassung einerseits und Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung andererseits, entschieden sich die Bürgerwehren in Württemberg mehrheitlich für Letzteres. Sie pflegten bevorzugt den repräsentativen Teil ihrer Aufgaben, d.h. sie verschönerten durch ihr Auftreten Prozessionen und die Feiern zu Königs Geburtstag, wie in Wangen.

Allenfalls wurden an manchen Orten spontan sog. Freikompanien gebildet, beispielsweise in Tettnang und Ravensburg, die aktiv am Kampf für die Anerkennung der Reichsverfassung und zur Unterstützung der bedrohten badischen Republik teilnahmen.

Ende der Bürgerwehren und Verkauf der Waffen
Die deutschen Monarchen, so auch der württembergische König Wilhelm, nahmen nach und nach ihre liberalen Konzessionen zurück, die Reaktion setzte ein. Am Vollzug des Bürgerwehrgesetzes war niemandem mehr ernsthaft gelegen.

Nach eigener Aussage des württembergischen Innenministeriums vom Jahr 1849 war er ohnehin in neun von zehn Gemeinden gescheitert. Regulär bestehende Bürgerwehren wurden 1851 und 1852 aufgelöst. Andernorts entschlief der Bürgerwehrgedanke nach und nach, so wohl auch in Niederwangen, weshalb sich in den Akten über eine offizielle Auflösung auch nichts findet.

Auf Anfrage des Oberamts im Jahr 1853 teilte die Gemeinde mit, daß sie hinsichtlich der 1848 beschafften Waffen gerne bei der bestehenden Lösung bleiben würde. Die Bürger hielten die ausgegebenen Waffen in gutem Gewahrsam, ein Verkauf hätte erhebliche finanzielle Einbußen zur Folge. 1858 entschloß sich der Gemeinderat dann schließlich doch zum Verkauf, wobei 36 Gewehre einen Erlös von 37 Gulden und 43 Kreuzern erbrachten, also gerade ein Achtel der bei der Anschaffung bezahlten Summe.

Das Geld sollte sinnvoller für den Kauf landwirtschaftlicher Bücher verwendet werden.