Ein Streifzug durch die Geschichte der Bürgerwehr Niederwangen e.V.
von Petra Sachs-Gleich

Bürgerwehr 1848. Schutz der Verfassung und Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung.

Mit gemischten Gefühlen wird Schultheiß Fidel Oberle, Schreiner und Schenkwirt in Niederwangen, ein am 8. Mai 1848 verfaßtes Schreiben des Wangener Oberamtmanns Schubart in Empfang genommen haben. Der wollte nämlich wissen, ob gemäß dem Bürgerwehrgesetz vom 1. April des Jahres 1848 in Niederwangen mittlerweile eine Bürgerwehr aufgestellt und ein Befehlshaber gewählt worden sei.

Revolutionsstimmung

Es herrschten unruhige und bewegte Zeiten. Eine neue Epoche schien angebrochen zu sein. Ausgehend von den Geschehnissen in Paris hatte binnen kurzem eine revolutionäre Bewegung nahezu ganz Europa erfaßt. Auch in den deutschen Staaten hatte das Volk - Bürger, Handwerker, Bauern - in zahllosen Petitionen, Volksversammlungen und teils regelrechten Massenprotesten seinen seit langem erhobenen Forderungen nach politischen Reformen Nachdruck verliehen. Zentrale Wünsche des Volkes waren: Herstellung der nationalen Einheit Deutschlands, Presse­ und Versammlungsfreiheit, allgemeines, freies Wahlrecht, Bauernbefreiung, Trennung von Staat und Kirche, Verwaltungsreformen, Förderung von Handwerk und Gewerbe, Volksbewaffnung. Während in Frankreich König Louis-Philippe hatte abdanken müssen und eine Republik errichtet worden war, hatten die deutschen Monarchen gegenüber der liberalen Opposition Konzessionen gemacht und damit das Äußerste verhindert.
In Württemberg hatte König Wilhelm I. im März ein neues, von liberalen Männern besetztes Ministerium berufen. Mittlerweile waren wesentliche Wünsche des Volkes, wie die Presse- und Versammlungsfreiheit, erfüllt worden. Auch die Idee der nationalen Einheit Deutschlands schien Wirklichkeit werden zu können. Im April 1848 waren aufgrund allgemeiner Wahlen Abgeordnete für ein gesamtdeutsches Parlament bestellt worden, das noch im Mai seine Tätigkeit als deutsche Nationalversammlung in Frankfurt aufnehmen sollte.
Mit Erlaß des erwähnten Bürgerwehrgesetzes war auch in Württernberg dem liberalen Ruf nach Volksbewaffnung entsprochen worden. Aber während die nun herrschende Presse- und Versammlungsfreiheit allgemein begrüßt wurde, stieß die für alle Gemeinden gesetzlich vorgeschriebene, dauerhafte Errichtung von Bürgerwehren nicht auf ungeteilte Zustimmung.