Geschichtlicher Vorspann zur Entstehung der Bürgerwehr
von Berthold Jocham

Warum wurde in Niederwangen eine Bürgerwehr aufgestellt ?
Gleich vorweg die Anmerkung: Bürgerwehren wurden in früherer Zeit nicht "gegründet", sondern aufgestellt zum Schutze der Bevölkerung. Um zu verstehen, welche Gefahren vor 150 Jahren unserer Gemeinde drohten, ist ein Blick weit zurück in die Vergangenheit unumgänglich. Deshalb wurde nachfolgend einige markante Ereignisse beschrieben, die mir wichtig zum Verständnis der damaligen Zeit erscheinen. Diese ausgewählten Episoden sind nur Teilbereiche der Geschichte und in aller Kürze zur Auffrischung dargestellt.
Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit
In einem 7 Jahre dauernden Befreiungskrieg von 1776 - 1783 von 13 nordamerikanischen Kolonialstaaten gegen ihr Mutterland England erreichten die Kolonisten die erstrebte Freiheit und Gleichberechtigung. Dieser Freiheitskampf, der die erstrebte Freiheit des Menschen zu unveräußerlichen Rechten der Bürger erklärte, wirkte sehr stark zurück auf die Völker Europas. Dies zeigte sich schon sehr bald in Frankreich.
Die französische Revolution im Jahre 1789
Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit waren die Schlagworte. Im 18. Jahrhundert gab es in Frankreich drei streng voneinander getrennte Stände: Die Geistlichkeit - der Adel - Bürger und Bauern. Der III. Stand allein trug die Lasten des Staates. Die Könige verschwendeten unvorstellbare Summen, so daß die Staatsverschuldung stetig wuchs. Das Volk hungerte, weil es für Frondienste des Königs unentgeltlich arbeiten oder die Felder der Adeligen bestellen mußte. Für die Arbeiten auf ihren eigenen Feldern fehlte ihnen die Zeit. Trotzdem mußten die Bauern hohe Abgaben entrichten. Die Geistlichkeit und die Adeligen blieben dagegen steuerfrei. Hierzu kamen noch Mißernten. In Paris herrschte Hunger und große Not.
Die Unzufriedenheit des Volkes wuchs und Redner wiegelten die erregten Menschen noch auf. Da ging ein Ruf durch die Straßen: "Zur Bastille! Zu den Waffen, Volk von Paris! Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". Tausende Männer stürmten die Waffengeschäfte des Heeres und bewaffneten sich. Die Bastille war das verhaßte Staatsgefängnis, dieses Sinnbild der königlichen Herrschaft und Unterdrückung. Die Volksmenge drängte am 14. Juli 1789 ins Gefängnis, befreite die Gefangenen und der offene Ausbruch der Revolution war das Signal für ganz Frankreich. Auf dem Lande erhoben sich die Bauern und plünderten und brandschatzten die Schlösser ihrer Grundherren. Die Flamme der Revolution loderte jahrelang und breitete sich über ganz Europa aus.
Das Revolutionsjahr 1848 in Berlin
Jahre später griff auch die Revolution auf Deutschland über, das von Wirtschaftskrisen, Teuerungen, Mißernten und Hungersnöten geplagt war.
Totale Unzufriedenheit beim Volke herrschte über die politischen Zustände. Die Bürger forderten unüberhörbar die Mitbestimmung, das Recht auf freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit. Die Vorrechte des Adels und der Geistlichkeit sollten abgeschafft werden. Am 18. März 1848 versammelte sich eine große Volksmenge auf dem Schloßplatz in Berlin. Überraschend erschien eine Abteilung der Kavallerie und "säuberte" den Platz, wobei 2 Gewehrschüsse fielen. die Volksmenge erschrak, war entsetzt und rief erbittert: "Wir werden niedergehaun und niedergeschossen!".
Sofort wurden in den Straßen Barrikaden errichtet und die Männer griffen zu den Waffen. Bei den entstandenen Gefechten zwischen dem Volk und den Truppen des Königs gab es rund 265 Tote. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. ließ nach diesem Bürgerkriegstag seine Truppen aus Berlin abziehen. Daraufhin räumte das Volk die Barrikaden und versicherte seinen Untertanen, große Zugeständnisse zu machen.
Die Revolution 1848 in Baden
In Baden, dem unmittelbaren Nachbarn Frankreich, hatte der Freiheitsgedanke in besonderem Maße gezündet. Schon im Jahre 1847 trat in Offenburg eine große Volksversammlung zusammen.
Sie forderte die Volksbewaffnung, uneingeschränkte Rede- und Pressefreiheit und die Abschaffung aller Vorrechte. Von Freiheitskämpfern angestiftet, meuterte die Garnision in Rastatt. Der Großherzog mußte fliehen, die Aufständischen besetzten die Hauptstadt Karlsruhe und das Volk rief den Freistaat Baden aus.
Die Freude darüber aber dauerte nur kurze Zeit, denn preußische Truppen rückten an. Die Freiheitskämpfer stellten sich ihnen zwar entgegen, konnten aber gegen die bessere Ausrüstung, Ausbildung und Überzahl nicht lange Widerstand leisten und mußten sich ergeben